Die Luft wird dünner, aber wir lassen uns die gute Laune nicht verderben!

Martin Schachinger, pvXchange, Juni 15, 2017

Auch nach der europäischen Leitmesse im Solarsektor, der intersolar 2017 in München, bleiben die Preise über alle Herkunftsregionen und Technologien weitgehend stabil. Die befürchtete Verknappung zeigt sich vor allem bei Modulen mit höherer Leistung, sowie bei europäischen Produkten oder Produkten der ehemals europäischen Marken.

Ehemalige Solarworld-Kunden verlagern ihre Einkaufsaktivitäten in Richtung vergleichbarer Module und kaufen mittelfristig den Markt leer. Bei einigen Herstellern ist daher eine generelle Verfügbarkeit erst wieder ab August oder September gegeben. Trotzdem liefern sich die Anbieter nach wie vor einen unerbittlichen Preiskampf, der die Modulkosten trotz drohendem Engpass nicht steigen lässt.

Im Modulsektor bislang weitgehend unbekannte Hersteller aus dem Zell- und Waferbereich mit Tier-1-Status drängen zudem auf den Markt. Nach Talesun und CSUN (China Sunenergy) machen nun HT-Solar (HT SAAE) und vor allem GCL den etablierten Modulherstellern das Leben schwer. Nachdem mit Solarworld einer der letzten größeren nicht-asiatischen Hersteller aus dem Rennen gegangen ist, fechten die vorwiegend chinesischen Unternehmen den Verdrängungswettbewerb nun unter sich aus. Bleiben lokale Produzenten im europäischen Projektumfeld gerade noch wettbewerbsfähig, haben sie bei internationalen Ausschreibungen den Anschluss längst verpasst. Hier werden Preise – oft nicht über 30 Dollarcent pro Watt – aufgerufen, die kein Europäer mehr mitgehen kann.

Was den hiesigen Unternehmen aktuell noch in die Karten spielt ist die Tatsache, dass die Verzollung von Modulen aus Taiwan oder Malaysia zunehmend schwierig wird, selbst wenn es sich um keine Module aus China mit verschleierter Herkunft, sondern um tatsächlich in diesen Ländern produzierte Ware handelt. Die Europäische Kommission greift mittlerweile derart hart und konsequent durch, dass sich etliche Logistik-Unternehmen, die einen Import beziehungsweise die Fiskalverzollung als Service anbieten, die Finger verbrannt haben. Die drakonischen Strafen – Nacherhebung des vollen Strafzolls plus Bußgeld – haben dazu geführt, dass viele Dienstleister einen großen Bogen um Solarmodule und –zellen machen. Im Raum Rotterdam, wenn nicht in den ganzen Niederlanden, ist es kaum noch möglich, einen Zollagenten für den Import von asiatischen Modulen zu finden.

Trotz der noch immer turbulenten Zeiten war die Stimmung auf der Solarmesse Anfang Juni allgemein sehr gut, auch wenn die Besucherzahlen und damit der Andrang an den Messeständen eher moderat waren. So blieb mehr Zeit für intensive Gespräche und vielversprechende Verkaufsverhandlungen. Zu erwähnen wäre vielleicht noch, dass es die erste intersolar in Deutschland seit über zwei Jahrzehnten – wenn nicht gar seit Bestehen der Solarmesse - ohne die Beteiligung des Unternehmens Solarworld war. Der Insolvenzverwalter zog es wohl vor, keine Angriffsfläche für peinliche Fragen zu bieten und der Veranstaltung fernzubleiben. Ob das für ein Fortführungsszenario der richtige Weg war, bleibt zu bezweifeln.

Den Modul- und Wechselrichterherstellern wurde viel Interesse entgegen gebracht, obwohl man echte technische Neuerungen im Bereich der herkömmlichen PV-Technik mit der Lupe suchen musste. Dafür gab es aber viele neue Produkte und Dienstleistungen im Energiespeicherbereich zu entdecken. Durch vereinfachte Abrechnungsmethoden und allerorts entstehende Strom-Communities scheint der Durchbruch unmittelbar bevorzustehen. In dieser Gewissheit feierten sich nach offiziellem Messeschluss nicht nur Marktführer Sonnen, sondern auch Senec und Mercedes luden jeweils zur Standparty und steuerten kulinarisch und akustisch dagegen – ein Feierabend-Wettstreit mit Symbolcharakter!

Energiespeicher sind das nächste große Ding in der Photovoltaikbranche! ... Vor Jahren schon einmal gehört? Nun, jetzt scheint es aber endlich soweit zu sein!

Übersicht der nach Technologie unterschiedenen Preispunkte im Mai 2017 inklusive der Veränderungen zum Vormonat (Die dargestellten Preise geben die durchschnittlichen Angebotspreise für verzollte Ware auf dem europäischen Spotmarkt wieder):